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INDIE ROASTERS im Interview: Anne Gerulat über fairen Kaffee, Direct und Fairtrade und fragwürdige Kaffeepreise im Einzelhandel

23.09.2019
von Yascha Roshani
Indie Roasters mit Kaffeefarmern in Indien

Nachhaltigkeit ist in aller Munde. Bei INDIE ROASTERS sind soziale und ökologische Verantwortung fester Bestandteil des Markenkerns. Anne Gerulat und Torsten Rosendahl geht es nicht nur darum, geschmacklich und qualitativ hochwertigen Bio-Kaffee zu bieten, sondern auch dafür Sorge zu tragen, dass alle an der Wertschöpfung Beteiligten profitieren. Warum die beiden auf Direct Trade setzen, was der Unterschied zu Fairtrade ist und wie viele Parteien an den Niedrigkaffeepreisen in unseren Supermärkten eigentlich verdienen (müssten), erzählt uns Anne im Interview.

Hier kannst du Kaffee von INDIE ROASTERS bestellen


Was hat euch stärker zu der Gründung von Indie Roasters bewogen: die Liebe zu gutem Kaffee oder der Wunsch nach richtig fairem Kaffee?

Beides ist uns sehr wichtig. Bei unserer Gründung gab es auf dem Markt kaum einen geschmacklich guten hochwertigen Bio-Kaffee. Um ehrlich zu sein, haben wir keinen einzigen gefunden. Das sich mittlerweile zum Glück geändert.

Durch persönliche Kontakte konntet ihr dann eine Beziehung zu Kaffeebauern in Indien aufbauen und dadurch Bio-Kaffee direkt importieren. Stand für euch von Anfang an fest, dass ihr eure Rösterei nur mit direkt gehandeltem Kaffee starten werdet?

Ja, uns ist es wichtig, dass das Geld an der richtigen Stellen ankommt. Unser Ziel ist es, ein Geschäft zu betreiben, von dem alle, die beteiligt sind, leben können. Unser Kaffee soll gut sein für Kunden, Partner, Kaffeefarmer, Natur und natürlich auch für uns.

Und euren Markenauftritt habt ihr durch einen Designwettbewerb an einer Hochschule erstellen lassen. Warum das?

Ganz einfach: Wir hatten kein Geld. All unser Kapital steckte im Rohkaffee. Wir mussten kreativ werden. Dann kam die Idee mit der Hochschule. Es war an dieser Stelle eine gute Sache für beide Seiten: Die Studenten hatten die Möglichkeit, an einem echten Projekt zu arbeiten und wir haben eine schöne CI bekommen - trotz unseres kleinen Budgets.

Kam bei dem Wettbewerb auch euer Name heraus?

Nein, diese Idee hatte Torsten schon davor. Indie kommt vor allem von independent, aber auch Indien ist drin. INDIE ROASTERS passt daher perfekt zu unserem Konzept.


Die Rösterei: Hier wird der Kaffee von INDIE ROASTERS geröstet
Die Rösterei: Hier wird der Kaffee von INDIE ROASTERS geröstet


Sagen wir, ich möchte jetzt meine eigene Rösterei gründen. Könnte ich durch ein bisschen Internetrecherche und paar Telefonate einfach direkten Kontakt zu Kaffeebauern aufbauen und Rohkaffee bestellen? Oder ist das nicht so leicht?

Vielleicht könntest du telefonisch Kontakt mit einem Farmer aufnehmen. Einfach Rohkaffee bestellen allerdings auf keinen Fall. Für einen Import benötigst du einen Exportpartner vor Ort, da Farmer Agrarunternehmen sind und in den meisten Fällen keine Firma besitzen, die eine Exportlizenz hält. Auch die Qualität, Mengen und Weiterverarbeitung nach der Ernte muss organisiert und kontrolliert werden. In Indien werden Geschäfte anders gemacht als bei uns. Ohne den persönlichen Kontakt wird das schwierig. In jedem Jahr gibt es neue Themen, mit denen man sich auseinandersetzen muss.

Kannst du uns kurz den Markt erklären? Was ist der Unterschied zwischen Fairtrade, Direct Trade und der Art und Weise, wie industrielle Anbieter Kaffee handeln, den wir im Supermarkt sehen?

Normalerweise werden Rohkaffees an der Börse gehandelt. Daraus ergibt sich ein Marktpreis, der von unterschiedlichen Faktoren abhängt, unter anderem auch von Spekulationen. Fairtrade garantiert einen länderspezifischen Mindestpreis. Das bedeutet: Wenn der Marktpreis einen festgelegten Preis unterschreitet, erhalten die Fairtrade-Bauern den festgelegten Mindestpreis. Ist der Marktpreis höher, wird dieser Preis an die Bauern gezahlt.

Im Direct Trade geht es darum, langfristige, persönliche Partnerschaften zu installieren. Hier werden höhere Preise direkt verhandelt, unabhängig vom aktuellen Marktpreis. So kann man individuell und situativ auf die sich ergebenden Erfordernisse eingehen. Auch in Bezug auf die Qualität der Kaffees wird eng zusammen gearbeitet.

Im Dirtect Trade wird eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten angestrebt. Es geht um Sicherheit beziehungsweise Planbarkeit für beide Seiten und die Transparenz des Produkts.


Welch schöner Anblick: Der INDIE ROASTERS Kaffee beim Röstvorgang
Welch schöner Anblick: Der INDIE ROASTERS Kaffee beim Röstvorgang


Fairtrade-Kaffeepreise liegen zwar über dem gewöhnlichen Marktpreis, aber noch lange nicht genug, damit Kaffeebauern ausreichend gut und fair bezahlt werden. Ihr seid jetzt schon einige Jahre im Geschäft. Ist das wirklich so oder ist Fairtrade trotzdem eine gute Sache?

An sich ist Fairttrade eine großartige Idee. Es ist ein erster Schritt, den Kleinbauern eine Lebensgrundlage zu ermöglichen. Für uns ist Direct Trade in jedem Fall die bessere Alternative. Hierbei kann man im persönlichen Kontakt Verbesserungen und entsprechende Preise vereinbaren und so langfristig gemeinsam für alle Beteiligten eine verbesserte Zukunftsperspektive schaffen.

Beim Discounter bekommt man 500 Gramm Kaffee locker ab 3,00 bis 3,50 Euro. Ich hab mal gehört, dass eine Faustregel im Kaffeemarkt ist: Der Kaffeeverkaufspreis ist das Doppelte vom Einkaufspreis. Euer günstigster Kaffee ist der Kaffee 7|3 für 11,90 Euro für 500 Gramm. Das ist etwa das Vierfache des Discounterkaffeepreises. Nun habe ich nachgelesen, dass die Lebenshaltungskosten in Indien im Schnitt sogar deutlich unter den Preisniveaus von Brasilien, Kolumbien oder Äthiopien liegen. Kann man an diesem Preisvergleich von Discounter und eurem Kaffee ablesen, wie stark unterbezahlt Kaffeebauern eigentlich sind?

500 Gramm Kaffee in Deutschland für 3,00 Euro oder 3,50 Euro zu verkaufen, ist fast unmöglich, wenn irgendwer im Ursprung davon leben soll. In Deutschland wird auf jedes Kilogramm Röstkaffee 2,19 Euro Röststeuer bezahlt. Das heißt, bei 3,00 Euro Kaffeepreis minus circa 1,09 Euro Kaffeesteuer ergibt 1,91 Euro. In diesen 1,91 Euro ist dann noch die Marge des Einzelhandels, des Großhandels, des Kaffeerösters, die Verpackung, Transport vom Ursprung nach Deutschland, Logistik im Ursprung, Verarbeitung im Ursprung und der Betrag, den der Kaffeebauer bekommt. Was denkt ihr?

Zudem kann man davon ausgehen, dass die Qualität der Rohkaffees für solche Kaffees nicht vergleichbar ist mit der Qualität der Rohkaffees, die Spezialitäten-Kaffeeröstereien in ihren Röstkaffeeprodukten verwenden.

Euer Nachhaltigkeitsansatz hört ja nicht beim direkt gehandelten Bio-Kaffee auf. Was macht ihr abgesehen von Direct Trade?

Wir versuchen unser Unternehmen in allen Bereichen nachhaltig zu betreiben. Wir verwenden beispielsweise Kaffeetüten ohne Aluminium, die in Deutschland hergestellt werden. Alle unsere Label lassen wir in der Umweltdruckerei drucken, wir sind grün versichert, haben ein GLS-Bankkonto und vieles mehr. Außerdem bemühen wir uns um die Weiterverwendung der Materialen – zum Beispiel der Kaffeesäcke.


Die fertigen Kaffees von INDIE ROASTERS - vom vollendeten Inhalt abgesehen, kommen die Kaffeetüten ohne Aluminium, während die Labels alle in der Umweltdruckerei gedruckt werden
Die fertigen Kaffees von INDIE ROASTERS - vom vollendeten Inhalt abgesehen, kommen die Kaffeetüten ohne Aluminium, während die Labels alle in der Umweltdruckerei gedruckt werden


Viele Unternehmen tun sich ja echt schwer, Veränderungsmanagement zu betreiben und sich nachhaltiger aufzustellen. Fiel es euch leicht, weil Nachhaltigkeit von Beginn an fester Bestandteil eurer Marke war?

Ja, schon. Jede Entscheidung wird auch immer unter Berücksichtigung des Nachhaltigkeitsaspekts geprüft. Allerdings gibt es auch bei uns Bereiche, in denen wir nachhaltiger sein könnten. Es ist an manchen Stellen eine Frage der Wirtschaftlichkeit. Der Röstkaffeemarkt ist sehr umkämpft. Wie du selbst schon erwähnt hast, kann man Kaffee für 7,00 Euro das Kilogramm kaufen. Wenn wir alles so umsetzen wollen, wie wir uns wünschen würden, müssten wir die Kaffees noch teurer verkaufen. Fraglich, ob man genügend Kunden findet, die bereit und in der Lage sind, das mitzugehen.

Werdet ihr in Zukunft auch mal was anderes als indischen Kaffee kaufen und rösten? Oder ist euer Name Programm?

Im Moment sind wir mit unserem indischen Portfolio fein, zumal es in Indien zur Zeit Entwicklungen gibt, wirklich großartige Bio-Spezialitätenkaffees zu machen – Honeys und Naturales. Wir können unser Sortiment dadurch geschmacklich erweitern. Generell können wir uns durchaus vorstellen, uns an einem anderen Direct-Trade-Projekt zu beteiligen und eine weitere Produktlinie einzuführen. Der Rohkaffee müsste in jedem Fall qualitativ hochwertig und biozertifiziert sein.


Das gesamte Sortiment an Kaffee und Espresso findest du unter INDIE ROASTERS. Unter diesem Link kannst du außerdem das Kaffee Probierset oder hier das Espresso Probierset von INDIE ROASTERS bestellen.

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