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fesslermill1396 im Interview: Tobias Fessler über Tradition, das Mühlensterben und die absolute Regionalität ihrer Gins und Whiskys

05.09.2019
von Yascha Roshani
Wolfgang und Tobias Fessler im Getreidefeld gegenüber der Fessler Mühle

Wolfgang und Tobias Fessler betreiben nicht nur eine Destillerie. Gemeinsam mit ihrer Familie führen sie die etwa 600 Jahre alte Familientradition fort, erhalten trotz des drastischen Mühlensterbens mit der Fessler Mühle ein regionales Kulturgut und betreiben zudem ein Fitnessstudio, produzieren Sporternährung und organisieren verschiedene Veranstaltungen in ihrer Region. Aus welcher Not heraus diese Vielfalt an Aktivitäten entstand und wie überaus regional ihre Gins und Whiskys sind, erzählt uns Tobias im Interview.

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Die Fessler Mühle steht schon seit 623 Jahren in Sersheim. Wie weit könnt ihr euren Familienstammbaum zurückverfolgen?

Wir können unseren Familienstammbaum bis Mitte 1300 zurückverfolgen und haben eine lange Tradition als Müller. Schon im 15. Jahrhundert waren Vorfahren von uns Müller und betrieben eine Mühle. Ich bin also der 10. Müller(meister) in Folge.

Und wisst ihr, wann bei euch das erste Mal gebrannt wurde? Und wer der oder die Erste war?

Schon mein Urgroßvater Wilhelm Fessler hat um 1920 sein Obst und Steinobst als Stoffbesitzer gebrannt.


Links steht Urgrossvater Wilhelm Fessler vor dem Schrotgang, mit dem heute noch das Getreide vermahlen wirdLinks steht Urgroßvater Wilhelm Fessler vor dem Schrotgang, mit dem heute noch das Getreide vermahlen wird


Eure Mühle ist ja noch in vollem Einsatz. Es muss eine ganz schöne Verantwortung sein, sich um die Instandhaltung eines so wertvollen Kulturguts eurer Region zu kümmern.

Der Müllerei im Land geht es nicht allzu gut, insbesonders den Klein- und Mittelmühlen. Wenn man bedenkt, dass es in den 50er-Jahren in Baden-Württemberg noch über 2.000 Mühlen gab und heute so um die 160, von denen viele hauptsächlich vom zweiten Standbein leben, das sie sich aufgebaut haben, dann sieht man einen starken Verfall der Müllerei in unserem Land. Wenn die Mühle, wie bei uns der Fall, eine lange historische Tradition hat, ist es schon eine gewisse Verantwortung, das Familienunternehmen für die Zukunft zu sichern und die Müllerei aufrecht zu erhalten. Unsere Mühle ist als Mühle immer noch in Betrieb, allerdings haben wir uns auch neben Mehlen und Naturkost schon in den 70er-Jahren auf die Produktion von Sporternährung spezialisiert. In den 90er-Jahren kam dann eine kleine Mühlenbäckerei dazu, um das Mehl auch selbst verarbeiten zu können.

Was ist das Besondere an eurer Destillerie und euren Produkten?

Unsere Destillerie wurde so gebaut, dass wir alles destillieren können, aber insbesonders auch so, dass wir qualitativ hochwertigen Gin und Whisky herstellen können. Eine Besonderheit unserer Destillate ist die absolute Regionalität. So haben wir jetzt im Rahmen des 2. Glencoe Swabian Whiskyday ein 225-Liter Fass aus der benachbarten Lemberger Weinkellerei bekommen, welches kurz vorher geleert wurde (in dem Fass war ein Lembergerwein). Wir füllten das Fass dann mit einem Roggendestillat aus heimischem Anbau, zusammen mit einigen Prominenten im Rahmen unseres Whiskydays. Die Eiche für das Fass stammt aus Maulbronn, also auch der direkten Nachbarschaft. Und hergestellt wurde es im Nachbarort Bietigheim-Bissingen.

Dazu kommt, dass die Energie, die wir zum Destillieren benötigen, von der eigenen Wasserturbine kommt - angetrieben durch unser Flüsschen Metter. Auch für den Gin verwenden wir nur erlesene Zutaten, die meisten sind sogar aus biologischem Anbau. Hier stammt das Wasser zum Heruntersetzen aus der Sersheimer alwa-Mineralbrunnen Quelle. Dieses Wasser verwenden wir natürlich auch für unsere Whiskys. Auch für den Gin bauen wir Teile der Zutaten selbst an. Zur Zeit entsteht hinter der Destillerie ein kleines Gin-Erlebnisfeld.


Das historische MühlengebäudeDas historische Mühlengebäude


Die steigende Beliebtheit deutscher Whiskys hält ungebrochen an. Und Gin ja ohnehin. Wer sind eure Kunden? Verkauft ihr größtenteils in eurer Region oder zunehmend auch überregional?

Wir waren vor Jahren in unserer Region der einzige Whisky- und Ginproduzent. Wir haben uns damals entschlossen, keine anderen Destillate herzustellen, damit wir nicht mit den vielen Kleinbrennern ringsum in Konkurrenz treten. In der Zwischenzeit hat sich ja im Brennerwesen einiges geändert und so dürfen gegenüber früher auch Obstbrenner Getreide brennen, sodass immer mehr Kleinbrenner sich auch an Whisky und natürlich Gin heranwagen. Wir haben eine recht große Kundschaft in der Region und verkaufen die Destillate über unseren Mühlenladen. Natürlich gibt es auch Kunden, die überregional bestellen. Auch zu finden sind wir das ganze Jahr über auf diversen Märkten und Messen.

Unsere Kunden sind Endverbraucher und hier bei uns in der Region natürlich auch der Fach- und Getränkehandel. Darüber hinaus produzieren wir auch Eigenmarken für andere Mitanbieter und große Gastronomiebetriebe.

Du bist außerdem Präsident des Württemberger Whiskyclubs. Was genau macht der Club?

Der Württemberger Whiskyclub* wurde von mir und meinem Vater gegründet und hat mittlerweile über 2.000 Mitglieder im In- und Ausland. Es sind selbst Masterdestiller bekannter ausländischer Destillerien Mitglied im Club. Die Mitglieder können eine Mitgliedskarte beantragen und haben dann die Möglichkeit, bei befreundeten Institutionen wie Weingütern, Destillerien und so weiter vergünstigt einzukaufen. Allerdings nur durch Selbstabholung.

Spirituosen sind ja dennoch längst nicht das einzige, das ihr macht. Fitnessstudio, Sporternährung, Bäckerei, Kochkurse? Wie lässt sich das alles miteinander vereinen?

Das Portfolio unseres Hauses ist natürlich auch aus der Not heraus gewachsen, als in den 70er-Jahren das zweite große Mühlensterben begann und sich dann in den 80er- und 90er-Jahren die Strukturen im ländlichen Bereich drastisch veränderten. Es gab immer weniger Landwirte und vor allem immer weniger Haushalte, die ihr Brot oder ihre Kuchen selbst herstellten. So mussten neue Ideen her und da war der geniale Einfall meiner Eltern, dass in Zukunft Ernährung und Bewegung einen noch höheren Stellenwert haben könnten. So kam es, dass neben Naturkost auch Nahrungsergänzung hergestellt wurde und das landwirtschaftliche Gebäude schon vor über 40 Jahren zu einem Fitnesszentrum umgebaut wurde. Auf beiden Bereichen zählen wir heute mit zu den Pionieren. Wenn es auch auf den ersten Blick aussieht wie ein großer Gemischtwarenladen, so haben alle unsere Unternehmenszweige indirekt etwas miteinander zu tun. Entweder mit Gesundheit oder mit Entspannung, wie zum Beispiel unsere Kleinkunstbühne - lachen ist gesund und entspannt. Letztendlich dann auch mit Genuss aus vielerlei Produkten und natürlich auch dem Whisky und Gin aus der fesslermill1396 Destillerie.



2. Glencoe-Swabian-Whiskyday: Ein regionales Fass wird von der anwesenden Prominenz gefüllt


Neben der Mühle gibt es bei euch also noch viel anderes zu entdecken. Habt ihr spezielle Programme oder Veranstaltungen für interessierte BesucherInnen der Fessler Mühle und Destillerie?

Wir haben natürlich schon viele Jahre immer wieder besondere Veranstaltungen oder auch ganz neue. Zwei alljährliche größere Veranstaltungen sind zum Beispiel immer am Pfingstmontag der Deutsche Mühlentag in der Fessler Mühle, bei dem im zweijährigen Rhythmus dann die Meisterschaft zum Meister am Sack stattfindet. Hier kann die Mühle, das Museum und die Destillerie besichtigt werden und es gibt vielerlei Kulinarisches aus unserem Hause.

Als zweite größere Veranstaltung findet im nächsten Jahr bereits zum dritten Mal der Glencoe-Swabian-Whiskyday statt, zu dem unsere Freunde aus Schottland kommen, unser Zigarrendreher aus Cuba und einige befreundete Destillerien haben einen Stand im Mühlenhof. Dazu gibt es schottisch-irische Musik und natürlich auch Kulinarisches. Der Glencoe-Swabian-Whiskyday ist immer am letzten Samstag im Juni.

Auch schon traditionell ist unsere alljährliche Whisky-Wein-Wanderung rund um den Stromberg und die Fessler Mühle mit verschiedenen Weinstationen und natürlich Whiskytastings unseres Hauses auf einer Länge von ca. 8 km. Die nächste Whisky-Wein-Wanderung findet am 05.09.2020 statt. Darüber hinaus gibt es das ganze Jahr über Whisky- und Gintastings, oft auch zusammen mit Whisky oder Gin von befreundeten Destillerien. Eine Besonderheit ist unser Brennereiabend, bei dem wir die Mitglieder des Württemberger Whiskyclubs nach dem Brennen immer mal wieder zu einem Tasting, auch von schottischen und irischen Whiskys, einladen.


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*Der Württemberger Whiskyclub hat sich zur Aufgabe gemacht, Whisky, Gin und heimische Destillate sowie Weine aus Baden-Württemberg Interessierten näher zu bringen. Wir schauen dabei natürlich auch über den Tellerrand hinaus in das zwischenzeitlich große Whisky- und Weinland Deutschland und haben Verbindungen nach Schottland, Irland und Amerika. Ein weiteres kleineres Steckenpferd sind Korn und Grappa, hier sind wir in Trento bei Marzadro und Norditalien sowie Norddeutschland zu Hause. Da die Gemeinde Sersheim seit über 40 Jahren eine erfolgreiche und intensive Partnerschaft mit der Gemeinde Canale in Piemont, direkt bei Barolo und Barbaresco, hat, liegen uns natürlich die piemonteser Weine und Grappas auch am Herzen. Rund um unsere Partnergemeinde kennen wir viele Destillerien und Weinbauern seit Jahrzehnten persönlich und oft lagert auch besondere Whiskydestillat der fesslermill 1396® Destillerie in unserem über 400 Jahre alten Keller unter der Mühle in Lemberger-, Barolo- oder Arneisfässern von befreundeten Weinbauern aus Canale und aus Württemberg.


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